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Die Frauen des Hauses Wu, von Pearl S. Buck

Madame Wu ist die Hausherrin einer adligen Familie und Frau eines reichen Kaufmanns in China. Sie dirigiert Tag für Tag das große Haus und sorgt dafür, dass es der Familie an nichts fehlt. Die Kinder lernen, werden verheiratet und jeder fragt stets Madame Wu um Rat, denn alle schätzen ihre Weisheit und Intelligenz. Sie sorgt für Ruhe und Ausgeglichenheit in dem Haus, sodass jeder ohne Sorgen leben kann.

Doch Madame Wu steht an einem Punkt in ihrem Leben, wo sie sich hinterfragt was für sie eigentlich das Richtige ist. An ihrem 40. Geburtstag beschließt sie, etwas zu tun, womit niemand gerechnet hätte: Sie beendet ihre Ehe mit ihrem Gatten und führt diesem eine Nebenfrau zu. Sie glaubt ihm seinen Erwartungen nicht mehr gerecht zu werden, da sie sich selbst nach mehr Freiheit sehnt. Doch dies hat weitreichende Folgen. Nicht nur ihr Handeln verursacht Unruhe, sondern auch ihre Söhne, die erwachsen werden, möchten arbeiten und in die Welt hinaus ziehen und lernen. In der Stadt wird von einem italienischen Priester gemunkelt, den Madame Wu kurzerhand zu sich einlädt um ihn zu bitten einen ihrer Söhne zu unterrichten. Zuerst skeptisch doch dann immer faszinierter ist sie von diesem Mann, seiner Weltansicht und seinem Wissen. Sie bittet ihn auch sie zu unterrichten. Doch was sie niemals erwartet hätte ist, das daraus eine tiefe Freundschaft entsteht und sich Madame Wu Ereignissen stellen muss, die sie ihr ganzes Leben hinterfragen lässt…

„Lerne loszulassen, das ist der Schlüssel zum Glück.“, Buddha

 

Was mir schon nach dem ersten Kapitel aufgefallen ist: Das Verhalten von den Figuren und deren Handlungen werden sehr ausführlich beschrieben. Selbst der Akt des Tee-Eingießens oder zu Bett gehen von Madame Wu, ist bis ins kleinste Detail, ja schon teilweise episch geschildert. Meine Lieblingsszenen aus dem Buch sind die, wo Madame Wu durch die Gärten des Hauses streift und sich den Orchideen und Päonien widmet und alles ganz genau beschrieben, wird von den Farben der Pflanzen bis hin zu dem Tageslicht.

Das führt dazu das der Leser sich sehr gut in die Personen (hauptsächlich in Madame Wu) hineinversetzen und deren Handlungen nachvollziehen kann. Der Leser baut eine Beziehung zu der Hauptfigur auf. Mit der Entwicklung und den Ereignissen in dem Buch taut Madame Wu nach und nach auf und ein gewisses neumodisches Denken stellt sich in ihr ein, was den Traditionen auch mal abweicht. Ich habe gemerkt, dass ich Madame Wu anfangs des Buches eher skeptisch gegenüber war, durch die Beziehung ihr gegenüber man aber immer besser ihre Gefühle und ihr daraus resultierendes Verhalten nachvollziehen konnte.

 

Das Buch wurde 1948 veröffentlicht und ist dementsprechend in einer sehr altdeutschen, gehobenen Sprache aus dem Englischen übersetzt worden. Es ist mir besonders schwer gefallen, dem Schreibstil der Autorin flüssig zu folgen, da die Geschichte sehr langsam vorangeht. Man muss sich ziemlich konzentrieren und das Buch las sich für mich nicht so einfach weg. Die Autorin erschafft durch ihre Worte eine dichte Atmosphäre, sodass hier Leser von actionreichen oder spannungsgeladenen Geschichten nicht bedient werden.

Die Geschichte lehrt einen sehr viel über chinesische Gesellschaft und Tradition im damaligen Jahrhundert. Es behandelt die Veränderungen im Land Chinas durch Krieg und die Auflösung von Herrschaftsformen. Das Denken und Handeln der Figuren hat mich immer wieder überrascht und erstaunt, was zu damaligen Zeiten Liebe, Familie und Fürsorge bedeutete. Die Figuren stehen immer an einem Punkt, wo sie sich fragen – was ist richtig, was ist falsch – .

Fazit

Pearl S. Buck († 1973) zeigt mit ihrem Literaturwerk das Liebe weder vor Alter, Tradition oder Gesellschaft zurückschreckt und welche Macht sie doch auf Menschen ausüben kann. Ich hatte zum Teil das Gefühl eine Art Serie zu lesen, da die Geschichte sich über Jahre hinwegzieht und viele kleine Ereignisse die Familie Wu erschüttern oder erfreuen. Die faszinierende Figur Madame Wu zeigt dem Leser was Liebe nicht bedeutet und das man Liebe oft erst dann erkennt, wenn es eigentlich schon zu spät ist.

Die Frauen des Hauses Wu, von Pearl S. Buck, Fischer Verlag

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