regenbogensplitter.

 

„Als sie einander acht Jahre kannten
(und man kann sagen: sie kannten sich gut)
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach vier und 
Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.“ 
Erich Kästner 1929 – Sachliche Romanze –

 

Sie lässt das Glas fallen. Sie schaut ihn an. Er fängt es nicht.  Die Zeit verlangsamt sich und man hofft, dass doch noch irgendwas das Glas aufhält. Irgendwas. Irgendwie. Irgendwer. Die Zeit bleibt für einen kurzen Moment stehen.

Wenn etwas zerbricht und die Teile groß genug sind, kann man es reparieren. Jeder kann ein Stück des Zerbrochenen nehmen, eine Scherbe, und man klebt es einfach wieder zusammen. Es hat Risse und sieht nicht mehr so schön aus wie vorher. Doch man kann dennoch die Form erkennen.
Leider zerbrechen die Dinge nicht nur, sie zersplittern. Sie zersplittern in tausend kleine Einzelsteile. Diese kann man nicht mehr reparieren. Es gibt nichts, womit man sie zusammenkleben könnte. Tausend kleine Teile. Tausend kleine Diamanten. Tausend kleine Momente.

Aber wenn man Licht hereinlässt, dann glitzern diese Splitter. Das Licht spiegelt und bricht sich in ihnen. Die Splitter glänzen und glitzern im Sonnenlicht in den schönsten Farben. Regenbogenfarben. Regenbogensplitter. Und in diesem Moment wenn die Splitter das reflektieren was wir waren, wenn nur noch kleine Teile von einem Ganzen übrig sind, werde ich mich daran erinnern wie wunderschön es war.

Das Glas kam auf den Boden auf. Es zersplitterte in tausend kleine Einzelteile. Sie wusste es und wünschte sich innerlich das es doch nur zerbrechen würde. Niemand hat es aufgefangen. Sie hatte einfach keine Kraft mehr es zu halten. Das Glas wurde einfach zu schwer. Und da stand sie nun in all den Splittern. Barfuß. Die Tränen liefen ihr Gesicht hinunter. Es war nie jemand da, der das Glas aufgefangen hätte. Es war nur ein Bild von ihm. Keine echte Person. Er war nicht anwesend. Er hätte das Glas nie auffangen können.

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