sterilisation gegen den klimawandel

 

Ich stehe am Bahngleis, Musik in den Ohren und lasse meine Blicke schweifen. Neben mir steht eine Frau mit einem Kind an der Hand und einem runden Bauch. Sie sieht ziemlich glücklich aus. Unweigerlich kommt mir der Gedanke, dass ich vielleicht eines Tages diese Frau sein könnte. Mit einem Kind an der Hand, im Arm, im Bauch. Diese Gedanken über meine Zukunft mit Kindern ist noch so weit weg für mich und doch so nah. Ich bin 24 und habe selber noch keinen Plan vom Leben. Lieber noch etwas alleine sein. Lieber noch intensiver leben. Alles in mir sträubt sich, den klassischen Lebensweg zu gehen: Mann finden, heiraten, Kinder kriegen, Haus kaufen, … Will ich das wirklich? Will ich wirklich ein Kind in diese Welt setzen?

Vor kurzem bin ich über folgenden Artikel bei der Zeit gestoßen: Sie beschloss, sich sterilisieren zu lassen, von Sophia Schirmer. In diesem geht es darum, dass Frauen durch eine Sterilisation auf Kinder verzichten, um sich gegen den Klimawandel einzusetzen. Denn: „Jeder neue Mensch verschärft den Klimawandel“. Der Artikel diskutiert, ob es sich bei der Sterilisation nur um eine Art Trend handelt, bei der sich die Frauen besser fühlen und ob tatsächlich jeder neu geborene Mensch schädlich für das Klima ist.

Zu harte Kost? Komplett auf eigene Kinder verzichten, für aktiven Klimaschutz? Das ist sicherlich ein Thema, dass vielen Frauen nicht in den Kragen passt. Denn durch eine Sterilisation muss ich als Frau auf etwas verzichten, um der Umwelt zu helfen. Auch ich musste den Artikel erstmal etwas sacken lassen, nachdem ich ihn gelesen habe.

Wenn wir eines Tages von dieser Welt wieder gehen, hinterlassen wir etwas. Einen ökologischen Fußabdruck. Unsere Erde bricht schon seit Jahren auseinander. Doch seit einigen Jahren wird das erst heiß in den Medien diskutiert. #FridayForFuture ist nur eine Aktion davon. Plastik wird nach und nach abgeschafft. Ein Umdenken stellt sich bei den Leuten ein. Wir werden uns immer bewusster: den Lebensstil, den wir heute führen, können wir nicht dauerhaft aufrechterhalten. Ist es nicht eigentlich schon zu spät? Können wir das, was wir mit blinden Augen schon eingerissen haben, noch kleben? Sollen meine Kinder den Mist, den wir veranstaltet haben ausbügeln? Laut #FridaysForFuture scheint erst dieser Generation aufzufallen, dass etwas gehörig schief läuft.

 

Jahr 2050 – 9,77 Milliarden Menschen

 

Für mich war der Artikel nicht nur ein Punkt um überhaupt darüber nachzudenken, dass ein Mensch weniger auf der Welt auch automatisch weniger Müll hinterlässt. Die Antwort ist eindeutig. Für mich war der Artikel eher ein Anstoß darüber nachzudenken, ob ich meinem Kind das hinterlassen will, was wir angerichtet haben. Ist unsere Welt nicht eh schon überbevölkert? Wäre es nicht viel besser Kinder zu adoptieren, diesen somit zu helfen und auch gleichzeitig der Umwelt? Ein Gedanke, der mir momentan ehrlich gesagt gefällt. Sicher, das ist nicht alles, was ich tun muss. Ausruhen gilt nicht. Laut eines Artikels des Spektrum Magazins werden wir im Jahr 2050 rund 9,77 Milliarden Menschen auf der Erde sein. 2017 lag der Stand bei 7,55 Milliarden. Wieder zwei Milliarden mehr. Noch mehr Menschen die Nahrung und Wohnraum benötigen. Noch mehr Menschen, die die Erde schwerer machen.

Keine eigenen Kinder. Manche Frauen würden alles tun, um ein Kind zu bekommen. Unfruchtbarkeit. Fehlgeburten. Trauer. Schmerz. Es muss im ersten Moment schrecklich sein für eine Frau zu hören, dass sie keine Kinder bekommen kann. Dann noch auf Kinder absichtlich verzichten? VERZICHT. Ich glaube, das ist das Wort, mit dem viele Frauen und somit auch mit dem Artikel ein Problem haben. Dass sich bei vielen eine Blockade einstellt. Es ist doch natürlich Kinder zu bekommen und uns fortzupflanzen. Aber möchtest du deinen Kindern, die Welt wie sie in 10 Jahren aussehen wird, hinterlassen?

Es scheint auf den ersten Blick radikal, sich als Frau sterilisieren zu lassen. Die einzige Angst, die ich dabei hätte: Würde ich es bereuen? Ich würde damit eine Entscheidung für mein gesamtes restliches Leben fällen. Aber ist das gleichzeitig ein Untergang? Für viele Frauen sicherlich, für mich aktuell nicht. Solange ich noch nicht in der Phase bin (falls sich diese überhaupt einstellt) ein Kind haben zu wollen, werden noch einige Jahre vergehen. Bis dahin habe ich Zeit. Ist dann alles etwas besser? Laut Studien nein. Wir werden immer mehr Menschen. Immer mehr Menschen, die die Umwelt belasten. Nach mir die Sintflut. Nein, so möchte ich nicht denken. Wir müssen die Verantwortung für jede einzelne Handlung auf dieser Welt übernehmen. Auch wenn die Sintflut wahrscheinlich kommen wird, egal was wir tun.

Verantwortung und Verzicht

 

Für mich ist das Thema der Sterilisation nicht nur ein Trend, es ist ein radikales Umdenken in Sachen Klimaschutz und Überbevölkerung. Wir sollten uns bewusst werden, was es für Auswirkungen hat, wenn wir Kinder in die Welt setzen. Man kann und sollte keiner Frau verbieten ein Kind zu bekommen. Ich für meinen Teil habe die Option ein Kind zu adoptieren später schon länger im Kopf. Viele Fragen, viel Diskussionsstoff und Anregungen bringt der Artikel mit sich.

 

Wie siehst du das? Würdest du dich für den Klimaschutz sterilisieren lassen?

 

Artikel: Sie beschloss, sich sterilisieren zu lassen
Autorin: Sophia Schirmer
Magazin: ZEIT Online

 

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