stolz, laut, selbstbewusst

Als Frau in der IT-Branche ist man eine Rarität und Kuriosität zugleich. Selten arbeite ich mit mehr Frauen als Männern zusammen. Noch seltener sehe ich eine Frau, in der Manager-Ebene, in der deutschen IT-Branche. Studien zeigen, dass Deutschland in Sachen Frauen im Vorstandsposten stark hinterher hinkt. Doch woran liegt das? Sind es alte, verkrustete Strukturen der Unternehmen? Wird es nicht gern gesehen, wenn wir Frauen immer stolzer, lauter und selbstbestimmter werden? Schickt sich das etwa nicht? Werden wir immer noch in die klassische Hausfrau-Mutter-24h-Frau-für-alles Schublade gesteckt? Stimmt es tatsächlich, dass wir geringere Chancen haben als Männer?

 

„In Deutschland sitzen in den Vorständen der 100 umsatzstärksten Firmen gerade einmal 3% Frauen“

 

Als ich das Buch „Frauen und der Wille zum Erfolg“ von Sheryl Sandberg, COO von Facebook, in den Händen hielt, war ich zuerst skeptisch, um welche Art von Buch es sich handelt. Ist es ein Buch, geschrieben von einer stark überzeugten Feministin die jeder Frau einreden will auf ihre Rechte zu pochen? Ganz im Gegenteil. Sheryl Sandberg hat mit ihrem Buch einen Leitfaden für karrierewillige Frauen geschrieben, die durch Persönlichkeit, Intelligenz und Charme die Karriereleiter erklimmen wollen. Sie macht deutlich, wieso wir uns gerne in Schubladen stecken lassen und die Frauen selbst im Jahr 2018 unterbesetzt, in der Führungsebene, sind. Mit dem Buch erzählt Sheryl zum Teil ihren Lebensweg und welche Erfahrungen sie gemacht hat und gibt Anweisungen und hilfreiche Tipps wie man es selbst als „Frau“ ganz nach oben schaffen kann. Was man mitbringen muss, um alles in die Tat umsetzen zu können? Mut und einen gesunden Menschenverstand.

Sheryl Sandberg: zweifache Mutter, Business Lady und COO von Facebook. Im Jahr 2017 wurde sie als viertmächtigste Frau ernannt, neben Angela Merkel, Theresa May und Melinda Gates. Sie selbst schämte sich zuerst dafür, dass das Forbes Magazine sie in dieser Liste mit aufführte. Sie sagte sie hat es nicht verdient und fühlte sich peinlich berührt. Ein klassischer Fall von „Hochstaplerei“. Sich selbst mit einer Staatsfrau wie Angela Merkel zu vergleichen, würde sie sich nicht trauen. Genau diese Geschichte erwähnt Sheryl in ihrem Buch und macht dabei auf einen Punkt aufmerksam: Frauen neigen oft dazu ihre Erfolge, seien es auch nur die Kleinsten, sich selbst nicht einzugestehen. Den Tisch hochzuklettern und zu rufen „Was bin ich doch für ein unglaubliche Frau!“ würde sich selten eine trauen. Frauen tun diese Dinge ab, denn man habe es nicht „verdient“ sich das Lob dafür einzustecken. Das ist nur eine der Thesen die Sheryl in ihrem Buch auseinander nimmt.

Ein anderes klassisches Beispiel ist die wunderbare Rolle der Mutter. Sheryl zog zwei Kinder auf, während sie als Vizepräsidentin des globalen Online-Verkaufs bei Google arbeitete und später mit Mark Zuckerberg Facebook groß machte. Und das während sie ihre zwei Kinder groß zog? Eine Power Frau oder?! Leider sahen das viele ihrer Freunde, Familie und Kollegen nicht so. Nach gerade nicht mal der Hälfte ihrer Mutterschaftszeit arbeitete sie schon wieder. Viele bezeichneten sie als Rabenmutter, dass sie lieber wieder arbeitete, als Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Die Frau solle doch bitte zu Hause bei den Kindern bleiben, während der Mann arbeiten geht. Ähm, nein?

Frauen werden anders erzogen als Männer. Das ist leider aktuell immer noch so und nicht nur das klassische Denkmuster. Ein Beispiel das Sheryl in ihrem Buch verwendet ist folgendes: die Schule. Von allen wird erwartet, dass man im Unterricht leise ist und zuhört. Wenn man etwas sagen möchte, meldet man sich. So bekommen es Kinder beigebracht. Doch wie oft passiert es, dass Jungs einfach etwas hinein rufen? Das wird doch irgendwie erwartet, weil es ein Junge ist. Wenn ein Mädchen es nun wagen würde etwas hineinzurufen, wäre dass natürlich unerzogen und schickt sich nicht.

Andere Situation, sowohl privat als auch in der Arbeitswelt: Wenn in einer Diskussion ein Mann jemanden unterbricht und lautstark seine Meinung sagt, dann nehmen die Personen ihn als ernst und stark war. Er kann schließlich seine Meinung vertreten und ist selbstbewusst. Ein Mann in einer Führungsebene muss Biss haben und sich durchsetzen können. Wenn aber eine Frau jemanden unterbricht und lautstark ihre Meinung sagt, dann ist sie unhöflich, zickig und arrogant. Sheryl beschreibt noch mehr Beispiele wie diese und wie sich unsere Gesellschaft dadurch diese Schubladen baut, aus denen wir Frauen im späteren Leben es schaffen müssen, eigenständig hinauszuklettern.

„Die Schultern hängen zu lassen und „das geht nicht“ zu verkünden hat garantiert zur Folge, dass es niemals gehen wird.“ (S.239)

Heißt das jetzt nun die Gesellschaft ist Schuld an allem und wir Frauen sollen auf unser Recht auf Gleichberechtigung pochen? Das wir den Männern die Schuld daran geben, dass wir nicht so stark in Führungspositionen vertreten sind? Sheryl beantwortet diese Fragen im Laufe des Buches immer wieder und wie man sich als Frau am besten behaupten kann, ohne auf den Tisch zu springen und anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Denn ganz ehrlich? Dafür ist es zu spät und es bringt nichts. Stattdessen: Nach vorne schauen und es besser machen. Viele der Tipps, die Sheryl gibt können nur mit Mut und einem gewissen Biss umgesetzt werden. Aber nichts davon ist unmöglich. Selbst seine Erfolge, Fehler und Fähigkeiten einzugestehen und sich treu zu sein ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung. Sich nicht kleinzumachen und einfach mal frech und vorlaut zu sein.

Ich weiß das es vielen Frauen nicht darum geht unbedingt die Führungskraft zu werden oder in der Top-Manager Ebene zu arbeiten. Viele Frauen wollen das gar nicht und genießen ihre Position als Mutter oder in der Arbeit zu bleiben in der sie gerade sind. Es gibt bei diesem Thema kein richtig und kein falsch. Das ist auch nicht Sheryls Anliegen, Frauen auszuschließen oder Bedenken zu ignorieren. Sie ist davon überzeugt, dass Frauen sich gegenseitig helfen müssen, wenn sie erst einmal an der Macht sind. Viel wichtiger ist zudem, dass Sheryl mit ihrem Buch verdeutlichen möchte, dass sobald man bereit ist, die Karriereleiter weiter aufzusteigen, sich nicht von Klischees und Schubladen-Denken abhalten lassen soll. Sie macht Frauen stark die etwas erreichen wollen und sich zum Ziel gesetzt haben mit anderen großartigen und einflussreichen Menschen zu arbeiten.

Dank des starken Engagements von Generationen vor mir ist die Gleichberechtigung in der Arbeitswelt in greifbarer Nähe. Sheryl Sandbergs Buch“Lean In – Frauen und der Wille zum Erfolg“ hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, sich als Frau stark zu machen, und es ist eine super Motivation für die eigene Karriere. Der Anlass dieses Buch zu kaufen war für mich mein Ehrgeiz selbst in die Führungsrolle eines Tages aufzusteigen. Sheryl Sandberg hat mir die Augen geöffnet, was eigentlich in unserer Gesellschaft immer noch schief läuft und wie wichtig es ist, die äußeren und inneren Barrieren einzureißen. Also liebe Frauen: auf die Tische und hoch die Stimmen! 😉

„Lean In – Frauen und der Wille zum Erfolg“ – Sheryl Sandberg, Ullstein Verlag.

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