Gegenwartsliteratur

Trotzdem JA zum Leben sagen, ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager – Viktor E. Frankl

 

„Denn in diesem Augenblick war mir so ganz intensiv zu Bewusstsein gekommen, dass kein Traum, auch nicht der schrecklichste, so arg sein kann wie die Realität, die uns dort im Lager umgab und zu deren wach-bewusstem Erleben jemanden zu erwecken ich im Begriffe war…“ (S. 52, Die Träume der Häftlinge)

 

Mit seinem Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen – Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“, verfasste Viktor Emil Frankl ein Werk, das seine schrecklichen Erfahrungen und Erlebnisse in den deutschen Konzentrationslagern während des zweiten Weltkriegs enthält. Es handelt sich hierbei nicht direkt um eine Erzählung, was genau mit den Häftlingen in Konzentrationslagern physisch veranstaltet wurde, sondern er schreibt, was das alles mit den Menschen psychisch angestellt hat. Das Buch wurde weltweit über 12 Millionen mal verkauft.

Viktor Emil Frankl (1905 – 1997) war ein bedeutender Psychologe und Neurologe in Österreich. Der Fokus seines Medizinstudiums waren Suizid und Depressionen. Mit dem Einmarsch Hitlers 1938 in Österreich, änderte sich sein Leben schlagartig. Seine Frau, seine Eltern und er selbst werden in Konzentrationslagern deportiert. In der gesamten Zeit der nationalsozialistischen Diktatur wird er in vier verschiedenen Konzentrationslagern festgehalten und gefoltert. Sein Vater starb im Getto Theresienstadt, seine Mutter und sein Bruder in Ausschwitz und seine Frau im KZ in Bergen-Belsen. Er war der einzige Überlebende.

„Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie“

 

Frankl gliedert seinen Bericht in verschiede Phasen, die ein Häftling im Konzentrationslager erlebt und greift in kleineren Kapiteln verschiedene Themen auf, wie sie die Menschen beeinflussen. Er erzählt zum Beispiel, wie es sich mit Kunst und Kultur, Religion, Liebe oder Träumen hat. Das Buch beginnt mit der Phase wo die Menschen in die Konzentrationslager deportiert werden und ankommen. Er erzählt, wie sie noch die Hoffnung haben, aus diesem Grauen rauszukommen und das die schlimmen Dinge, einem selber nicht Wiederfahren, sondern nur den anderen. Doch ziemlich schnell stellt sich in den Köpfen der Häftlinge ein psychologischer Umschwung ein. Aus der zunächst krankhaften Neugier, was einem Menschen alles angetan werden kann, wird Hoffnungslosigkeit als man merkt, es gibt keinen Ausweg.

„Das Leben im Konzentrationslager ließ zweifelsohne einen Abgrund in die äußersten Tiefen des Menschen aufbrechen.“

 

Das Buch dreht sich immer wieder um die Frage: Welchen Sinn hat mein Leben? Ist es möglich selbst unter den inhumansten Geschehnissen einen Sinn im Leben zu erkennen, mit der Hoffnung aus der Hölle wieder hinauszukommen? So verschwand der Wille zu Leben bei vielen Menschen, indem sie dem Hunger, den Krankheiten und Misshandlungen keine Kraft mehr schenkten und schließlich nur noch Selbstmord als Ausweg sahen.

Frankl greift in seinem Buch aber nicht nur die psychologischen Auswirkungen eines Konzentrationslagers auf die Häftlinge aus, er beschreibt auch die Psychologie der Lagerwachen. Er erklärt das besonders sadistische Menschen ausgesucht wurden, um eine Bewachungsmannschaft bereitzustellen. Egoistische und brutale Individuen waren hier gefragt. Viele Lagerwachen waren, so hart es auch klingt, abgestumpft gegenüber den Gräueltaten, die sie veranstalteten oder erlebten. Was ich sehr gut finde, ist, dass Frankl zum Schluss hinterfragt was der Mensch überhaupt ist. Er sagt, der Mensch hat immer die Möglichkeit zu entscheiden, wer bzw. was er ist. Ohne diese Möglichkeit wären wir schließlich keine Individuen.

Fazit:

Viktor Emil Frankl verfasste mit seinen Erzählungen ein bedeutendes Werk, das sehr nah geht und einen den Kopf schütteln lässt. Er erklärt wie die Psyche eines Menschen in den unwürdigsten, schrecklichsten Stunden leidet und sich verändert. Das Buch ist ein geschichtliches und mutiges Werk eines einflussreichen Psychologen, das hoffentlich noch viele Generationen zum Nachdenken anregen wird.

Trotzdem Ja zum Leben sagen – Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager, von Viktor Emil Frankl

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