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Vom Alltag einer Psychotherapeutin – Psyche? Hat doch jeder! – von Lena Kuhlmann

Psyche? Hat doch jeder - Lena Kuhlmann

Stellt euch vor ein Freund oder ein Familienmitglied erzählt euch, es ginge ihm nicht gut. Er fühle sich seit einiger Zeit ständig traurig, beklemmt, ist nur selten aus dem Haus gegangen. Ihn scheint etwas zu beschäftigen, er wirkt matt und ausgelaugt. Er sagt, er verspüre sehr viel Stress und Druck, ist gereizt und geht kaum noch aus. Wahrscheinlich würdet ihr sagen „Also traurige Phasen hat jeder, nun hab dich mal nicht so. Ich bin auch ständig gestresst und komme damit klar. Das wird schon wieder du musst einfach positiv denken.“ Und was, wenn es nicht wieder wird?

Lena Kuhlmann zeigt in ihrem Buch „Psyche? Hat doch jeder“ weshalb man die Vorurteile gegenüber von psychischen Krankheiten, Therapien und Psychologen ablegen und ein Umdenken der Gesellschaft anstreben sollte. Viele Menschen sind unsicher, was die Psyche überhaupt ist, wie sie geprägt wird und was sie mit uns anstellen kann. Was kann ich als betroffene Person tun, wenn meine Seele in Mitleidenschaft gezogen worden ist? Was bedeutet es psychisch krank zu sein? Wieso können Psychologen oder Psychotherapeuten uns so durchschauen und was passiert eigentlich bei einer Therapie? Diesen Fragen und weitere Themen rund um die Psyche klärt Lena Kuhlmann in ihrem Buch auf.

Wusstet ihr, dass die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD 10 – bald ICD 11) definiert, wann eine Person eine psychische Störung hat? Psychologen und Psychotherapeuten orientieren sich an diesen Klassifikationen und können so leichter die Erkrankung herausfinden. Das ist natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich und kann nie zu 100 % auf alle gleich übertragen werden.

 

Krankheiten wie Essstörungen, Depression und Panikattacken sind im 21. Jahrhundert mittlerweile gang und gäbe. Wir trauen uns nicht offen darüber zu reden, obwohl viele Menschen mit psychischen Krankheiten Berührungspunkte haben, denn:

„Fast jeder dritte Deutsche litt 2008 an einer psychischen Erkrankung.“

(Quelle: hier)

Zugegeben, diese Pressemitteilung liegt mittlerweile schon zehn Jahre zurück. Aber wie die Autorin in dem Buch zeigt, gehen diese Erkrankungen nicht zurück, sondern der Bedarf an Therapieplätzen wächst. Er ist so groß das Menschen aktuell wochenlang darauf wartet müssen. Das Problem dabei ist, das die Erkrankung dadurch nicht heilt, sondern den Betroffenen weiter quält.
Ein gelungenes Thema was die Autorin beleuchtet ist, genau dieses Problem: Der Mangel und die lange Wartezeit auf einen Therapieplatz. Die kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland sind zuständig dafür, gesetzlich versicherte Patienten, zu versorgen. Das bedeutet, dass ich genau den Arzt finde, den ich benötige. Die Bedarfsplanung dieser Vereinigungen lassen nur eine sehr begrenzte Anzahl an sogenannten Kassensitzen zu. Ohne diese können keine gesetzlich versicherten Patienten behandelt werden. Die Folge sind lange Wartezeiten für Menschen die dringen JETZT Hilfe brauchen.

Oft wird erst eingegriffen und geholfen, wenn es schon zu spät ist. Vorbeugende Maßnahmen finden selten statt. Eher muss ein Mensch schon in einer tiefen Phase seiner Erkrankung stecken und selbst handeln, damit sich etwas ändert. So sind Krisen und Notfälle zum Alltag von Psychotherapeuten geworden, wobei dann reguläre Patienten einstecken müssen. Die Krankenkassen möchten zudem das eine Therapie günstig ist und der Patient schnellstmöglich geheilt wird. Kann man dies mit Qualität vereinbaren? Psychische Erkrankungen können im schlimmsten Fall tödlich enden, und müssen schnellst möglich in Angriff genommen werden. Die Autorin erklärt, wie man den für sich besten Psychotherapeuten findet und gibt Tipps, was man bei der Suche beachten sollte und welche überbrückenden Maßnahmen man ergreifen kann.

Mein Lieblingssatz aus dem Buch:

„Kein Mensch ist dauermotiviert und kein Mensch kann, wie von diesen Supergurus gepredigt, jeden Tag […] sein Bestes geben und das Maximale aus jeder Situation herausholen.“

(S. 86, Die kranke Psyche)

Fazit

Mit ihrem Buch öffnet sie die Wunden der Gesellschaft und fordert auf offen über psychische Erkrankungen und die Probleme unserer Gesellschaft und unserer Systeme, zu reden. Sie fordert eine Änderung in den deutschen Gesundheitssystemen und eine Anpassung an den Bedarf. Genau das gefällt mir. Mit viel Biss und klaren Worten überzeugt sie, auch mal das Schubladendenken abzulegen und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.  Natürlich darf es uns auch mal schlecht gehen, auch ohne das gleich eine Krankheit dahinter steckt. Es ist normal das wir Menschen unsere Höhen und Tiefen haben. Doch wenn ein ernsthaftes Problem dahinter steckt, muss man sich nicht schämen sich Hilfe zu suchen und es ernst nehmen. Vielmehr haben genau diese Menschen dann einen Applaus verdient.

Ich bin auf das Buch aufmerksam geworden durch den Blog von Melina Vanilla Mind. Dort hat Melina ein tolles Interview mit der Autorin geführt und fragt nach den Beweggründen des Buches und kleinen Tipps für die Seele. Also schaut auf jeden Fall einmal vorbei!

„Psyche? Hat doch jeder“ von Lena Kuhlmann – 2018 – Eden Books

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